Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und. Suchmaschinen (KomPG)
Das Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) soll Kinder, Jugendliche und Nutzer*innen besser vor schädlichen Inhalten, Manipulation und Missbrauch auf grossen Online-Plattformen und Suchdiensten schützen. Es verpflichtet Anbieter zu klaren Sorgfaltspflichten: Risiken für Minderjährige analysieren, wirksame Schutzmassnahmen im Design umsetzen (Privacy by Default, leicht zugängliche Melde- und Blockierfunktionen) und transparente Verfahren schaffen. Wo verhältnismässig, sollen Alters- und Zugangskontrollen eingeführt sowie problematische Kontaktaufnahmen und manipulative Designs (Dark Patterns) eingeschränkt werden. Plattformen müssen Meldungen zügig bearbeiten, illegale Inhalte entfernen, Beschwerdewege anbieten und regelmässig über Risiken und Massnahmen berichten; jugendschutzrelevante Aspekte ihrer Empfehlungsalgorithmen sollen nachvollziehbarer werden. Die Aufsicht erhält Prüf- und Eingriffsrechte mit spürbaren Sanktionen bei Verstössen. Der Entwurf befindet sich im Gesetzgebungsprozess; Detailfragen wie konkrete Altersnachweise, Reaktionsfristen und Aufsichtsstruktur werden noch präzisiert.
Stichwort‑Überblick
- Ziel: Schutz Minderjähriger auf Plattformen und Suchmaschinen
- Pflichten: Kinder‑Risikoanalysen, Schutzkonzepte, Transparenzberichte
- Design: Privacy by Default, altersgerechte Voreinstellungen, leicht zugängliche Schutzfunktionen
- Moderation: einfache Meldesysteme, schnellere Entfernung illegaler Inhalte, klare Beschwerdewege
- Werbung/Daten: Einschränkung personalisierter Werbung und Profiling bei Minderjährigen
- Algorithmen: mehr Transparenz und Verantwortung bei Empfehlungen
- Durchsetzung: unabhängige Aufsicht, spürbare Sanktionen
- Offene Punkte: verbindliche Altersprüfung, klare Lösch‑/Reaktionsfristen, Dark‑Pattern‑Verbote
- Verfahren: Vorentwurf → Vernehmlassung → Präzisierung → parlamentarische Beratung
Gesetz über Kommunikationsplattformen – Worum geht es?
- Ziel: Zentrale Regeln für grosse Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (z. B. Social‑Media, Chats, Foren, App‑Stores, Suchdienste), um Kinder und Jugendliche vor Gewalt, Missbrauch, schädlichen Inhalten und Risiken zu schützen.
- Ausgangslage: Der Bundesrat hat einen Vorentwurf für ein Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen (Arbeitstitel: KomPG) vorgelegt; Kinderschutz Schweiz begrüsst den Schritt, fordert aber verbindlichere, wirksame Schutzmassnahmen.
Kernpunkte aus Sicht von Kinderschutz Schweiz
1. Klare Sorgfalts- und Schutzpflichten der Plattformen
- Risikoanalysen speziell für Minderjährige.
- Wirksame Massnahmen zur Risikominderung (Inhaltsmoderation, Melde- und Abhilfeprozesse, Design-Anpassungen).
- Regelmässiges Reporting und unabhängige Aufsicht.
2. Altersangemessene Gestaltung und Zugangskontrolle
- Alters- und Identitätsprüfung dort, wo sie notwendig und verhältnismässig ist.
- Kindgerechte Standardeinstellungen (Privacy by Default, geringste Datenspur).
- Leicht auffindbare Jugendschutzfunktionen (z. B. Filter, Zeitlimits, Kontaktregeln).
3. Sichere Interaktionen und Meldesysteme
- Niedrigschwellige, gut sichtbare Melde‑/Blockierfunktionen inkl. Hilfe/Support.
- Schnelle Reaktions- und Löschfristen bei gemeldeten Inhalten (Gewalt, Missbrauch, Grooming).
- Schutz vor algorithmischen Verstärkungen schädlicher Inhalte; Transparenzpflichten für Empfehlungssysteme.
4. Werbung, Daten und Profiling
- Keine zielgerichtete Werbung anhand sensibler oder altersbezogener Daten von Minderjährigen.
- Verbot oder strenge Einschränkung von Nudging- oder Suchtmechaniken (Dark Patterns).
- Minimierung von Datenerhebung, kein Profiling Minderjähriger zu Werbezwecken.
5. Durchsetzung und Sanktionen
- Wirksame Aufsicht mit Prüf‑ und Eingriffsrechten.
- Abschreckende Sanktionen bei Verstössen; Verpflichtung zu Korrekturmassnahmen.
- Kooperation mit Fachstellen, klare Zuständigkeiten und Beschwerdekanäle.
Wichtigste Neuerungen
- Plattformweite Sorgfaltspflichten: Kinder‑Risikoanalysen, Präventions- und Schutzkonzepte, Transparenzberichte.
- Sicherheit im Design: Altersgerechte Grundeinstellungen, leicht zugängliche Schutzfunktionen, begrenzte Kontaktaufnahme.
- Stärkere Moderation und Meldewege: vereinfachte Meldung, beschleunigte Entfernung illegaler Inhalte.
- Mehr Transparenz: Offenlegung zentraler Funktionsweisen (z. B. Feeds, Empfehlungen), wirksame Beschwerdeverfahren.
- Werbung/Daten: Einschränkung von personalisierter Werbung und Profiling bei Minderjährigen.
Was (laut Position) noch zu schwach ist bzw. verbindlicher werden sollte
- Verbindliche Alters- und Identitätsprüfungen in risikoreichen Bereichen, mit hohen Datenschutzstandards.
- Klare Verbote gezielter Manipulationsmechaniken bei Minderjährigen (Dark Patterns, Lootboxen etc.).
- Präzisere Pflichten zu algorithmischer Verantwortung (z. B. Jugendschutzmodus in Empfehlungssystemen).
- Konkretere Lösch‑/Reaktionsfristen und echte Sanktionsschärfe bei Nichteinhaltung.
- Verpflichtende Zusammenarbeit mit anerkannten Kinderschutzstellen und regelmässige externe Audits.
Geplant/Im Verfahren (Stand Positionspapier)
- Vorentwurf des Bundesrats liegt vor. Das Gesetz befindet sich im Konsultations-/Vernehmlassungsprozess.
- Detailausgestaltung (z. B. konkrete Altersverifikation, Moderationsfristen, Aufsichtsstruktur) wird im Gesetzgebungsverfahren präzisiert.
Nächste Schritte:
- Auswertung der Stellungnahmen,
- Ausarbeitung einer definitiven Vorlage,
- parlamentarische Beratung.
Quelle
Kinderschutz Schweiz: https://www.kinderschutz.ch/uber-uns/politische-arbeit/positionspapiere-stellungnahmen/plattformregulierung