Eine Informationsplattform zu Studien und gesetzlichen Regelungen zum Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum und Social-Media in der Schweiz

James Studie

Kurzüberblick

Was ist die James Studie?

Die James Studie ist eine repräsentative Befragung von 1183 Jugendlichen (12–19 Jahre) in der Schweiz mit Fokus auf Freizeit, Mediennutzung und Risiken. Erhebungszeitraum Ende April bis Mitte Juni 2024.

Medienausstattung und Nutzung

  • Ausstattung: Fast alle Haushalte haben Internet, Handy, Computer/Laptop und TV; 80% Film-/Serien-Streaming, 72% Musik-Streaming. Jugendliche selbst: 99% Smartphone, 77% eigener Computer/Laptop.
  • Nutzung: Smartphone (Ø 3 h/Tag an Werktagen, 4 h am Wochenende), Internet, Musik und soziale Netzwerke dominieren. “Big Four” bei Jugendlichen: WhatsApp, Snapchat (Messenger); Instagram, TikTok (soziale Netzwerke). Nutzung auf hohem, weitgehend stabilem Niveau.

Internet: Unterhaltung vs. Information

  • Unterhaltung: Am häufigsten soziale Netzwerke, Messenger, Videoportale; etwa die Hälfte streamt regelmässig Filme/Serien.
  • Information: Suchmaschinen an erster Stelle; rund die Hälfte nutzt soziale Netzwerke, 41% Videoportale; 22% nutzen KI-Anwendungen (z. B. ChatGPT) regelmässig zur Information.

Smartphone-Funktionen

  • Am häufigsten: Messenger-Chats (97%), Uhr/Wecker (94%/70%), Telefonieren (77%), Sprachnachrichten (74%). Handyspiele: 56% mindestens mehrmals pro Woche.

Games

  • Verbreitung: 80% gamen zumindest gelegentlich; ca. 50% regelmässig. Jungen deutlich häufiger als Mädchen.
  • Lieblingsspiele: 1) Brawl Stars, 2) Fortnite, 3) Minecraft, 4) FIFA/EA Sports FC, 5) Grand Theft Auto.
  • Hinweis Jugendschutz: 21% der gamenden Minderjährigen geben an, Altersfreigaben mindestens einmal nicht einzuhalten; Mikrotransaktionen sind verbreitet (etwa 1/5 mind. monatlich, 4% regelmässig).

Lesen

  • Lieblingsbücher: Weiterhin ganz vorne Harry Potter; danach Gregs Tagebuch, Die drei ???, One Piece, Percy Jackson. Mädchen nennen häufiger (und andere Genres) als Jungen.

Problemfelder des Kinder- und Jugendschutzes

1. Cybermobbing (Betroffenheit)

  • In privaten Nachrichten beschimpft/beleidigt: fast 25% mehrere Male (6–10+) in den letzten 2 Jahren; nur 30% “nie”.
  • Öffentlich beschimpft/beleidigt oder gehänselt: 7% mehrere/viele Male; insgesamt 28–30% mindestens einmal.
  • Aus Online-Gruppen ausgeschlossen: rund 20% mindestens einmal.
  • Peinliche/unangenehme Bilder/Videos verbreitet: rund 20% mindestens einmal.
  • Bedroht/unter Druck gesetzt: 7% mindestens einmal.

2. Cybermobbing (aktive Beteiligung)

  • 43% gaben an, mindestens einmal in privaten Nachrichten andere beschimpft/beleidigt zu haben; 17% sogar mehrere/viele Male.
  • Online gehänselt/über andere lustig gemacht: 20% mindestens einmal.
  • Öffentlich beschimpft: 17% mindestens einmal.
  • Ausschluss anderer aus Online-Gruppen: 18% mindestens einmal.
  • Jungen berichten häufiger aktive Beteiligung

3. Sexuelle Belästigung durch Fremde (letzte 2 Jahre)

  • Nach Aussehen des Körpers gefragt: 36% mindestens einmal.
  • Mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen: 32% mindestens einmal.
  • Mit ihnen über Sex reden wollen: 33% mindestens einmal.
  • Aufforderung, erotische Fotos/Videos zu senden: 26% mindestens einmal.
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor der Webcam: 8% mindestens einmal.
  • Sextortion (Erpressung mit erotischen Medien): 3% mindestens einmal.
  • Deutliche Geschlechterdifferenz: Mädchen wesentlich häufiger betroffen als Jungen.

4. Pornografie und Sexting

  • Pornovideos/-bilder anschauen: 34% mindestens “selten” (Jungen deutlich häufiger).
  • Erotisches Material von anderen (bekannten Personen) zugeschickt: 19% mindestens “selten”.
  • Aufforderung, eigenes erotisches Material zu schicken: 14% mindestens “selten” (Mädchen häufiger betroffen).
  • Eigenes erotisches Material senden: 8% mindestens “selten”.
  • Pornografie an andere verschicken: 2% mindestens “selten”.

5. Gewalthaltige/unerlaubte Inhalte

  • Brutale/gewalthaltige Videos anschauen: 36% mindestens “selten”; 6% sogar täglich/mehrmals pro Woche.
  • Solche Videos verschicken: 10% mindestens “selten”.
  • Probleme wegen unerlaubter Inhalte auf Geräten: selten (3%).

Trends und Einordnung

  • Sättigung: Viele Nutzungen (z. B. soziale Netzwerke, Streaming) stabilisieren sich auf hohem Niveau; Teilbereiche leicht rückläufig.
  • KI im Alltag: 71% haben Erfahrung mit KI-Tools; 34% nutzen sie mind. wöchentlich. Medienkompetenz (kritische Prüfung von Informationen) gewinnt weiter an Bedeutung.
  • Geschlechtsspezifika: Jungen intensiver in Gaming und gewalthaltigen Inhalten; Mädchen häufiger von sexualisierter Ansprache betroffen und stärker in bild-/textbezogenen Medien aktiv.
  • Sozioökonomischer Status: Höherer SoS geht mit besserer Ausstattung/mehr Abos und etwas unterschiedlichen Nutzungsprofilen einher.

Praxisimpulse für Kinder- und Jugendschutz (für Ihre Webseite als Infobox geeignet)

  • Frühe Prävention: Cybermobbing- und Medienkompetenz bereits in der Primarstufe adressieren (Empathie, Netiquette, Meldewege).
  • Klare Regeln und Schutzräume: Klassen- und Familienregeln zu Chats, Gruppen, Umgang mit Bildern; Privatsphäre-Einstellungen stärken.
  • Sexualisierte Online-Kommunikation: Aufklärung zu unerwünschten Ansprachen, Grenzen, Einverständnis; sichere Reaktionen und Hilfewege (Dokumentation, Melden, Vertrauenspersonen).
  • Bildrechte und Sexting: Rechtliche Lage erklären; Risiken von Weitergabe/Erpressung; Strategie “Stopp – sichern – melden”.
  • Gaming-Jugendschutz: PEGI-Altersfreigaben beachten; In-App-Käufe/Mikrotransaktionen transparent machen; Dark Patterns erklären; gemeinsame Spielauswahl und Timer.
  • Medienbalance: Alltag strukturieren (Schule, Sport, Freunde, Offline-Zeiten); Bildschirmzeiten altersangemessen planen.
  • KI-Kompetenz: Prompting-Grundlagen, Quellencheck, Faktenprüfung; Einsatzszenarien in Schule/Ausbildung reflektiert üben.

Quelle

  • Külling-Knecht, C., Waller, G., Willemse, I., Deda-Bröchin, S., Suter, L., Streule, P., Settegrana, N., Jochim, M., Bernath, J., & Süss, D. (2024). JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz. Ergebnisbericht 2024. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Departement Angewandte Psychologie.


Download:
JAMES-Studie_2024.pdf