Social-Media Regulierung in Australien
Australien ist – nach derzeitigem Stand – das erste Land, das ein explizites gesetzliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat (Stand 21.04.2026)
Gesetzlicher Stand & Altersbeschränkung
Am 10. Dezember 2025 wurde ein Social-Media-Gesetz verabschiedet/eingeführt, das Social-Media‑Anbietern untersagt, Accounts für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zuzulassen und ihnen Pflichten zur Altersverifizierung auferlegt.
Übersicht
- Mindestalter 16 für eigenständige Social-Media-Konten.
- Mit einem Alter von unter 16 Jahren ist Registrierung nur mit nachweislicher Zustimmung der Eltern/Erziehungsberechtigten und über verifizierte Alters- und Identitätsprüfung möglich – einige Entwürfe sahen für unter 14 sogar faktische Verbote vor; der endgültige Text sieht ein generelles Mindestalter 16 vor und sehr enge Ausnahmen (z. B. Bildungszwecke, kontrollierte Konten).
Social-Media-Dienste sind dazu verpflichtet
- wirksame Altersprüfungen zu implementieren
- risikoreiche Funktionen (z. B. personalisierte Feeds, Direktnachrichten von Fremden
- sowie bestimmte Empfehlungsalgorithmen) für Minderjährige stark zu beschränken.
Technische Altersverifizierung
Australien stützt sich auf einen Age-Assurance-Ansatz, der nun im Kontext des Verbots konkretisiert wurde:
- Social-Media-Anbieter müssen nachweislich „robuste“ Altersverifikation nutzen, z. B.:
ID‑Check (Pass, Führerschein, Medicare-/MyGov-ID), biometrische Altersabschätzung (Gesichtsanalyse durch zertifizierte Drittanbieter) oder Kombination mit Telekom- und Zahlungsdaten. - Der eSafety Commissioner entwickelt Codes of Practice und technische Standards,
überwacht die Umsetzung, kann Bussgelder verhängen oder Dienste sperren.
Kritische Diskussionen
- Datenschutzrisiken (Biometrie, ID‑Zwang)
- Probleme für marginalisierte Gruppen (kein Ausweis, geteilte Geräte)
- Spannungsfeld zwischen Kinderschutz und Privatsphäre/Freiheit.
Inkrafttreten / Übergangsfristen
Gesetz angenommen/verkündet: 10. Dezember 2025
Übergangsphase
Social-Media-Unternehmen erhalten eine Frist (typisch 6–12 Monate), um:
- Altersverifikationssysteme zu implementieren.
- bestehende Nutzerkonten nachzuprüfen.
Für Schulen, Jugendorganisationen und Eltern wurden:
- Guidelines & Informationskampagnen angekündigt, um Übergänge zu gestalten.
- Das neue Social-Media-Verbot baut auf dem bestehenden Online Safety Act 2021 auf – d. h. eSafety hat bereits Infrastruktur und Befugnisse.
Erste erkennbare Veränderungen (Nutzung & psychische Gesundheit)
(Stand: 21.04.2026)
Nutzungsverhalten
- Erste Berichte bestätigen spürbare Zunahme von Sperrungen / Löschungen unter‑16‑Konten auf grossen Plattformen.
- Verlagerung eines Teils der Aktivitäten zu Diensten, die sich (noch) der Regulierung entziehen, elterlichen Konten, geteilten Accounts, und in anonymere Bereiche (VPN, internationale Plattformen).
- Konkrete repräsentative Nutzungsdaten für 2026 liegen noch nicht vor; erste Surveys werden gerade erstellt.
Datenschutz und Behörden
Datenschutz
Privacy Act wird parallel reformiert; es ist wahrscheinlich, dass ein „Children’s Privacy“-Kapitel oder ein eigener Code ähnlich dem britischen Age Appropriate Design Code kommt.
Behörden
- eSafety Commissioner: zentrale Aufsichtsstelle für Online Safety - nimmt Beschwerden (auch von Kindern/Eltern/Schulen) entgegen. Kann Unternehmen anordnen, Inhalte oder Accounts zu entfernen. Zentrale Stelle für die Durchsetzung der unter‑16‑Regel.
- Australian Federal Police und regionale Polizeien – bei Straftaten (z. B. Child Sexual Abuse Material, Harassment).
- Kinder- und Jugendorganisationen (Headspace, Kids Helpline etc.) – psychische Unterstützung.